PODIUMSDISKUSSION "KOMMUNIKATION ZUR ENERGIEWENDE" IN BERLIN

„Energiewende-Kommunikation muss sexier werden!“

Kommunikationsfachleute aus der Energiebranche diskutierten die Studienergebnisse im Quadriga Forum in Berlin. (c) Laurin Schmid
Kommunikationsfachleute aus der Energiebranche diskutierten die Studienergebnisse im Quadriga Forum in Berlin. (c) Laurin Schmid

„Als so desaströs empfinde ich die kommunikative Lage nicht!“ Tobias Dünow, Leiter Kommunikation im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wollte dann doch eine Lanze für sich und seine Kollegen brechen. Bei der Diskussion der Umfrageergebnisse „Kommunikation zur Energiewende“ im Berliner Quadriga Forum machte der Sprecher von Bundesminister Sigmar Gabriel Mut: „Selbst das komplizierte Thema EEG genoss in der letzten Zeit große mediale Aufmerksamkeit.“ Alles halb so schlimm also? Dass über 50 Prozent der befragten Kommunikationsfachleute aus der Energiebranche die Qualität ihrer eigenen Arbeit als gering oder sehr gering bezeichnen, eine Fehleinschätzung?

 

Technisch, kompliziert, nachteilig

 

Zu diesem verheerenden Urteil war die Studie „Kommunikation zur Energiewende“ gekommen, deren Ergebnisse Dünow und fünf Experten aus der Energiebranche (Sebastian Ackermann, RWE Deutschland AG, Mathias Bucksteeg, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Regine Günther, WWF Deutschland, Christian Bügel, K1 Gesellschaft für Kommunikation und Nikolaus Schmidt, Stadtwerke Neumünster) vor rund 60 Gästen diskutierten. Die Kölner PR-Agentur K1 hatte die Studie initiiert; rund 200 Kommunikationsfachleute aus Unternehmen und Institutionen aus dem Energiesektor hatten sich beteiligt.

Zwei zentrale Ergebnisse der Expertenbefragung standen im Mittelpunkt der Diskussion. Erstens: Die Kommunikation zur Energiewende ist in der Wahrnehmung der Verantwortlichen zu technisch, zu kompliziert und wirkt sich bei den Bürgern letztlich nachteilig auf das Gesamtprojekt aus. Zweitens: Nur 64,7 Prozent der befragten Kommunikatoren bezeichnen die Zielgruppe Bürger als wichtig. Sie wird hinter den Zielgruppen Fachpublikum, Kunden, Medien und Politik am schlechtesten erreicht. Wie sind diese Ergebnisse einzuordnen?

 

Fachleute sehen Handlungsbedarf

 

Die Podiumsdiskussion unter der Moderation des Wirtschaftsjournalisten Dr. Joachim Müller-Soares zeigte: Die Kommunikationsfachleute kennen den Status Quo und sehen den Handlungsbedarf. Die problematischen Ergebnisse überraschten sie nicht. „Was wir momentan machen, ist eine Art Käseglocken-Kommunikation“, glaubt Mathias Bucksteeg. „Sie ist klassisch, defensiv und dringt nicht bis zum Bürger vor.“ Pragmatisch gab sich Sebastian Ackermann: Die Energiewende sei nun mal eine Jahrhundertaufgabe und bringe daher große kommunikative Herausforderungen mit sich. „Dass wir mit unserer eigenen Arbeit momentan zum großen Teil nicht zufrieden sind, überrascht mich deshalb überhaupt nicht. Aber die Larmoyanz in der Branche geht mir auf den Wecker“, so Ackermann. „Uns ständig selbst zu bemitleiden, wie schwer das Thema zu kommunizieren ist, bringt uns nicht weiter.“

 

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STUDIENERGEBNISSE 2014

Kommunikation zur Energiewende erreicht die Bürger nicht

Ob Minister, Verbandsvertreter, Manager oder Lobbyist: Sie alle fordern unisono zur Gestaltung der Energiewende die Beteiligung der Bürger. Da erstaunt schon, dass für die Kommunikationsexperten der Bürger nicht im Fokus ihrer Arbeit steht. Befragt nach den Zielgruppen ihrer Kommunikation nannten 80,2 Prozent die Politik und 77,2 Prozent die Medien, erst an dritter Stelle rangierten mit 66,7 Prozent die Bürger. Noch eindeutiger antworteten die PR-Profis auf die Frage, wie gut sie die Zielgruppen mit ihrer Kommunikation erreichten. Weiterlesen

INTERVIEW

"Experten treffen präzisere Aussagen als Durchschnittsbürger "

Bereits zum zweiten Mal hat das Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Auftrag der Kommunikationsagentur K1 und der Fachgruppe Energie des Bundesverbands Deutscher Pressesprecher e.V. eine Studie unter Kommunikationsexperten über die "Kommunikation zur Energiewende" durchgeführt. Rund 200 Kommunikatoren aus Unternehmen, Politik, Verbänden, Stadtwerken und NGO's haben sich beteiligt. Im Interview mit dialog-E.net erklärt der Diplom-Soziologe Johannes Krause, was die Besonderheiten einer Expertenbefragung sind und warum sie auch 2015 fortgeführt werden muss. Weiterlesen


PODIUMSDISKUSSION IN BERLIN

Impressionen aus dem Quadriga-Forum

Sie haben die Veranstaltung in Berlin verpasst oder wollen den Abend noch einmal Revue passieren lassen? Verschaffen Sie sich hier einen Eindruck von den wichtigsten Aussagen der diskutierenden Kommunikationsfachleute und klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Weiterlesen

KOMMENTAR VON GUNTER ORTLIEB

Alles für die Wende? Denkste!

That’s it, c’est fini, das war’s: Die K1-Umfrage „Kommunikation zur Energiewende“ 2014 ist Geschichte. Die Ergebnisse sind präsentiert, die Trends diskutiert. Schneller als ein Windrad sich dreht, kehren wir alle zum Tagesgeschäft zurück. Das da heißt: die Energiewende kommunizieren. Fürs Ministerium, für den großen Energieversorger und das kleine Stadtwerk, für die Umweltinitiative und den Industrieverband, für uns als Agentur. Jeder für sich und alle für die Wende. Weiterlesen