INTERVIEW MIT JOHANNES KRAUSE

"Experten treffen präzisere Aussagen als Durchschnittsbürger "

Bereits zum zweiten Mal hat das Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Auftrag der Kommunikationsagentur K1 und der Fachgruppe Energie des Bundesverbands Deutscher Pressesprecher e.V. eine Studie unter Kommunikationsexperten über die "Kommunikation zur Energiewende" durchgeführt. Rund 200 Kommunikatoren aus Unternehmen, Politik, Verbänden, Stadtwerken und NGO's haben sich beteiligt. Im Interview mit dialog-E.net erklärt der Diplom-Soziologe Johannes Krause, was die die Besonderheiten einer Expertenbefragung sind und warum sie auch 2015 fortgeführt werden muss.

Johannes Krause (c) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Johannes Krause (c) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Welche zentralen Probleme unter Kommunikationsexperten der Energiebranche bringt die Umfrage zu Tage?

 

Johannes Krause: Es gibt ein „Auseinanderfallen“ der verschiedenen Aspekte. Zum einen sind sich die Experten einig, dass der Bürger eine der Hauptzielgruppen der Kommunikation zur Energiewende ist. Zum anderen gibt es offensichtlich Probleme, diese wichtige Gruppe zu erreichen. Denn die Bevölkerung nimmt die Kommunikation zur Energiewende als kompliziert, demotivierend, unverständlich und abstrakt wahr - vermuten die Kommunikationsexperten. Dieser Eindruck wird dadurch verfestigt, dass die Qualität der bisherigen Kommunikation als eher gering eingeschätzt wird.

 

Wie bewerten Sie die Teilnehmerquote für die Befragung? Sind die Daten belastbar?

 

Johannes Krause: Niedrige Rücklaufquoten sind bei Online-Umfragen grundsätzlich ein Problem. Online-Umfragen haben eine geringere Verbindlichkeit aufgrund ihres Abfragemodus – man muss keine Sanktionen (welcher Art auch immer) erwarten, wenn man seine Teilnahme verweigert. Dennoch kann die Rücklaufquote dieser Befragung als solide angesehen werden, sie ist mit der in anderen Online-Umfragen vergleichbar. Die Daten sind insofern belastbar, als dass eine ausreichende Anzahl an Experten teilgenommen hat und keine systematischen Ausfälle vermutet werden müssen. Verweigerer gibt es in jeder Umfrageform.

 

Was ist das Besondere an einer Expertenbefragung?

 

Johannes Krause:Experten sind per Definition „besondere Befragte“. Sie können aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz präzisere Aussagen als der Durchschnittsbürger treffen. Ihnen sind gewisse Einsichten in den Kommunikationsprozess gegeben, die ansonsten kaum Gehör finden. Das Problem bei Expertenbefragungen ist oft die Teilnahmequote: Da es sich um ein sehr beschäftigtes und beruflich eingespanntes Klientel handelt, ist die Beantwortung des Fragebogens eine zusätzliche zeitliche Hürde. Die spielt vor allem eine Rolle, wenn keine extrinsischen Anreize, wie z.B. Gutscheine oder Geldpreise, geboten werden.

 

 

Sollte die Umfrage aus Ihrer Sicht 2015 wieder durchgeführt werden?

 

Johannes Krause: Aus meiner Sicht ist eine weitere Befragung 2015 unerlässlich, denn nur so kann die Entwicklung der Kommunikation zur Energiewende wirklich veritabel nachvollzogen werden. Bestimmte Fehlentwicklungen im Kommunikationsprozess können besser „bekämpft“ werden, wenn man die Experten dazu befragt.

 

Welche Frage sollte bei einer Umfrage 2015 auf jeden Fall gestellt werden?

 

Johannes Krause: Es ist schwierig, dies auf eine Frage einzugrenzen. Es sind vor allem ganze Themenblöcke, die hierfür relevant sind. Die Einschätzungen der Experten zur Energiewende sowie zur Kommunikation derselben sind hierbei ebenso in den Vordergrund zu rücken, wie die Fragen nach der Wahrnehmung durch die Bürger bzw. den Zielgruppen der Kommunikation. Bestimmte Fehlstellungen im Kommunikationsprozess können vor allem durch solche Analysen korrigiert werden.