KOMMENTAR VON GUNTER ORTLIEB

Alles für die Wende? Denkste!

(c) Fredy Sujono, Fotolia
(c) Fredy Sujono, Fotolia

That’s it, c’est fini, das war’s: Die K1-Umfrage „Kommunikation zur Energiewende“ 2014 ist Geschichte. Die Ergebnisse sind präsentiert, die Trends diskutiert. Schneller als ein Windrad sich dreht, kehren wir alle zum Tagesgeschäft zurück. Das da heißt: die Energiewende kommunizieren. Fürs Ministerium, für den großen Energieversorger und das kleine Stadtwerk, für die Umweltinitiative und den Industrieverband, für uns als Agentur. Jeder für sich und alle für die Wende.

 

Alle für die Wende? Denkste! Von einer einheitlichen Kommunikation zur Energiewende sind wir weiter entfernt als der bayerische Haushalt vom ostfriesischen Energieeinspeiser. Denn jeder kommuniziert auch 2014 noch fröhlich nach seiner eigenen Interessenslage. Das gilt für die Themen ebenso wie für die Zielgruppen. Im Klartext: Wenn ich für meinen Minister, CEO oder Verbandspräsidenten gut kommuniziere, dann kann es mir eigentlich egal sein, wie sich meine Arbeit auf das Gesamtprojekt Energiewende auswirkt.

 

Zu dieser Quintessenz sind die Experten auf dem K1-Podium im Berliner Quadriga-Forum mehr oder minder „en passant“ gelangt. Auch von den Ergebnissen unserer Befragung zeigten sie sich nicht wirklich verwundert. Dass der Bürger, den es ja in jeder Sonntagsrede „mitzunehmen“ gilt, in der Wichtigkeit der Zielgruppen erst hinter Politik, Medien, Fachpublikum und Kunden rangiert – ist halt so. Dass Dialogformate hinter den klassischen Verlautbarungsinstrumenten Pressearbeit, eigene Homepage und Vorträge hinterherhinken – so what? Und dass immer noch die Hälfte aller Befragten die Kommunikation zur Energiewende als nachteilig fürs Gesamtprojekt einstuft – schade.

 

Nein, dass die Energiewende im Volk noch nicht das einende Projekt ist, das sie sein könnte, liegt nicht nur, aber auch an der Kommunikation. Warum sind wir nicht viel stolzer auf dieses weltweit einzigartige Ausscheren aus der Spirale der Ignoranz? Warum können wir uns nicht viel mehr dafür begeistern? Warum werden wir so oft mit unverständlichen Leitartikeln und Fachchinesisch-Talkrunden gequält? Und warum dominieren komplizierte Themen wie die Mechanik der EEG-Reform in den Medien? Kann man uns stattdessen nicht die eigentlichen Vorzüge des Projekts Energiewende viel häufiger kommunizieren, und zwar ausdauernd, nachhaltig und mit Kreativität: der Verzicht auf Atomkraft, das Nutzen der natürlichen Energiereserven, den Stopp des CO2-Anstiegs, die Chancen eines generationsübergreifenden Projekts und schließlich auch die internationale Vorreiterrolle. Und lässt sich die Energiewende nicht mit einem Schuss mehr Esprit und Leichtigkeit präsentieren? Zum Beispiel, indem man die E-Mobilität mehr vom Fahrvergnügen als von den Ladezeiten her denkt?

 

Etwas weniger kompliziert, dafür mit mehr Spaß und näher dran am Zeitgeist: So könnte die Kommunikation der Energiewende auch aussehen. Dann würden die Kommunikationsexperten ihre eigene Arbeit auch positiver einschätzen. Und das wäre doch mal ein schönes Ergebnis für unsere Befragung 2015.